Wie? Modelle von Welt? Welt ist Welt! Es ist, wie es ist! ...oder?
Ich habe früher (also noch vor wenigen Wochen) sehr viel Kraft und Zeit dafür investiert, andere davon zu überzeugen, dass die Dinge so sind, wie ich sie sehe. Dass sie nur gut genug nachdenken müssen, um einzusehen, dass ich im Recht bin. Ich habe nächtelang Argumentationsstrategien ausgefeilt und komplette Mitarbeitergespräche oder Diskussionen durchlebt, um auf jede mögliche Entgegnung die richtige Antwort parat zu haben. Selbst im Urlaub habe ich meist an nichts Anderes gedacht. War ich damit erfolgreich? Oft nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte! Manchmal wollten mich die Anderen einfach nicht verstehen oder beharrten auf Ihrer Sicht der Dinge...

Was ist die richtige Sicht? Wer hat Recht? Was ist die Realität?

Jeder verknüpft allein mit einem Namen ganz unterschiedliche Gedanken und Gefühle und dabei entstehen zu denselben Namen ganz unterschiedliche kleine Verknüpfungen.
Und wenn jeder von uns allein mit einem Namen völlig unterschiedliche Gedanken, Gefühle und Erinnerungen assoziiert, wie unterschiedlich muss dann unsere Wahrnehmung dessen sein, was wir jeden Tag erleben? Wie unterschiedlich erleben und bewerten wir das, was wir Realität nennen?

Jeder von uns hat seine völlig eigene Wahrnehmung dessen, was um ihn herum geschieht. Demzufolge hat jeder von uns sein eigenes Modell von Welt. Das, was ich über die Welt denke, bzw. wie ich die Welt sehe entspricht nicht der Realität, sondern meiner Wahrnehmung der Realität. Ich sehe, ich höre, ich fühle, ich rieche, ich schmecke und so nehme ich Welt wahr und konstruiere mir eine Vorstellung von dem, was da um mich herum geschieht.

Ein Beispiel:
Nehmen wir 3 Personen und setzen sie im März auf eine Bank im Park. Die Sonne scheint...

Person 1 erlebt die Situation vielleicht so: Die Sonne scheint, es ist schon richtig warm, ich fühle es auf meiner Haut, das ist ja schön, endlich, nach den trüben Monaten. Ich warte schon immer ganz gespannt auf die ersten warmen Sonnenstrahlen nach dem Winter. Ist das schön...das tut wirklich gut.

Person 2 erlebt die Situation vielleicht so: Die Sonne scheint, es ist schon ein bißchen warm, aber eigentlich ist mir noch zu kalt. Es geht auch ein leichter Wind, ich könnte mich erkälten, wenn ich hier länger sitze..die Blase...es ist ja nicht gut, auf einer kalten Bank zu sitzen, es ist ja auch erst März, da dauert es halt noch, bis es richtig schön warm wird.

Person 3 erlebt dieselbe Situation vielleicht so: Die Sonne scheint, es ist schon recht warm, eigentlich viel zu warm für die Jahreszeit. Da sieht man mal, der Klimawandel. Wo soll das hinführen? Das Ozonloch wird ja auch immer größer und die Sonnenstrahlen, die ich da auf meiner Haut spüre sind gefährlich. Man bekommt Krebs von zu viel Sonne. Früher war das ganz anders. Da konnten wir noch an die Sonne und im März lag noch Schnee und damals war ich auch viel glücklicher...

Jeder hat sein eigenes Modell von Welt und ich habe verstanden, dass jeder einzelne von ihnen davon ausgeht, dass seine Gedanken die richtigen sind.

Veränderung ist also dann möglich, wenn ich in die Lage versetzt werde, mein Modell von Welt in Frage zu stellen und wenn ich die Möglichkeit erwäge, dass die Modelle von Welt anderer auch "wahr" sein könnten.

Wenn das so ist....welches Modell von Welt hätte ich dann am Liebsten? Und wie kann ich es bekommen? Ich könnte doch in einem ersten Schritt einfach einmal die Gedanken von Person 1 denken und ihre Gefühle fühlen, wenn ich da in der Sonne sitze. Ich weiß, ein Lächeln würde sich sofort auf meinem Gesicht ausbreiten!

Das war ja einfach! :)